Bildpredigten

Maria Magdalena

Sonntag Judika
11.00 Uhr 29.03.2009
Emmaus Kirche

Thema Maria Magdalena
Text:      Evangelium des Lukas 8, 1 – 3
    Evangelium des Matthäus 27, 54 - 56
    
Bilder: Edite Grinsberga
An der Harfe. Maria Todtenhaupt

An Stelle der Psalmlesung
Und es begab sich danach, dass er reiste durch Städte und Dörfer und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes; und die Zwölf waren mit ihm, dazu etliche Frauen, die er gesund gemacht hatte von bösen Geistern und Krankheiten, nämlich Maria, die da Magdalena heißt, von welcher waren sieben Geister ausgefahren und Johanna, die Frau des Chusa, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihnen Handreichung taten von ihrer Habe. (Lukas 8, 1-3)

Lesung Evangelium
Sechs Tage vor Ostern kam Jesus nach Bethanien, wo Lazarus war, welchen Jesus auferweckt hatte von den Toten. Daselbst machten sie ihm ein Mahl, und Martha diente; Lazarus aber war deren einer, die mit ihm zu Tische lagen. Da nahm Maria ein Pfund Salbe, von unverfälschter, köstlicher Narde und salbte die Füße Jesu und trocknete mit ihrem Haar seine Füße; das Haus aber ward voll vom Geruch der Salbe. Da sprach seiner Jünger einer, Judas Ischariotrh, der ihn hernach verriet: Warum ist diese Salbe nicht verkauft um dreihundert Silbergroschen und den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, weil er nach den Armen fragte, sondern er war ein Dieb und hatte den Beutel und nahm an sich, was gegeben ward. Da sprach Jesus: Lass sie in Frieden! Mag es gelten für den Tag meines Begräbnisses. Denn Arme habt ihr allezeit bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit. (Johannes 12, 1-8)







Liebe Gemeinde,


Petrus: das ist der Fels, der nicht trägt.
Gott erwartete dennoch viel von ihm, nicht weil er so stark, sondern weil er so schwach war.
Mit Maria Magdalena lieferte sich dieser Petrus in einem nicht zum biblischen Kanon gehörigen Evangelium der Maria heftige, aus Eifersucht gezeugte Wortgefechte. „Sollte es möglich gewesen sein, dass Jesus ihr solche Dinge gesagt hat, ohne dass er einen von uns hinzugezogen hätte?“  Um Maria Magdalena herrschte schon früh knisternde Spannung, nicht erst seit heute.

Judas hat den Beutel und denkt an nichts anderes. Als Kassenwart der Jünger hat er die Hand auf der Schatulle und hat für großzügige Gesten gar kein Verständnis. Aber durch seinen verrat wurde die Rettung beschleunigt.

Die biblischen Männer sind berechenbar. Sie scheitern immer an derselben Stelle.
Die Männer um Jesus sind einfach.
Sie geben keine Rätsel auf. Erst Gottes Plan gibt ihrem Handeln Tiefe.

Die biblischen Frauen sind dagegen vielgesichtig, schillernd, verwirrend facettenreich, unberechenbar und doppeldeutig bis zweideutig. Einfache Gemüter nehmen leicht Anstoß an ihnen.
Denn nie sind sie so, wie man sie sieht. Vielleicht hat sich die Menschwerdung Gottes  vollkommener im Weiblichen ereignet als im Männlichen.

Aber sollte Gott den Frauen sein göttliches Geheimnis anvertraut haben, wo doch jeder weiß, dass sie kein Geheimnis für sich behalten können?
Das mag schon sein, dass bei ihnen kein Geheimnis sicher ist, aber wenn sie selber das Geheimnis sind?


Zum Beispiel  Maria Magdalena.
Unser heutiges Thema.
Da sehen wir sie. So, wie sie Edita Grinsberga sah.
Als Malerin sieht sie die Dinge entschieden anders als andere:
-    mit Kain, Abel, Adam und Eva haben Sie ja schon Ihre Bekanntschaft gemacht. Jörg Machel hat den Wechsel der Fronten zwischen Kain und Ab el wunderschön im Licht spielen lassen.
-    Und Adam, der Eva weniger als Gewinn, denn als Verlust erlebt, den einer Rippe nämlich, man möchte ihn im Paradies zurücklassen und mit Eva durchs Tor in die Freiheit schreiten.

Heute nun begegnen wir der Maria aus Magdala, die die christliche Tradition auch Maria Magdalena nennt. Schwester des Lazarus und der geschäftigen Martha,  nicht nur von Herkunft reich, weil begütert,  ein Schloss oder einen Turm soll sie gehabt haben am See Genezarath (der kleine Wannsee des Heiligen Landes)
Diese hohe Herkunft sieht man der Maria Magdalena der Malerin noch an. Doch diese Seite ihrer Herkunft wurde gänzlich von anderen Geschichten in den Schatten gestellt, denn die christliche Tradition machte Maria von Magdala  stattdessen zu einer Büßerin, Sünderin, Prostituierten, Liebhaberin Jesu und zum Sinnbild der katholischen Kirche selbst.

Darum glaube ich: Maria Magdalena ist, mehr noch als die Mutter Gottes,  die katholischste aller Frauen. Denn aus einer gefallenen
Wurde sie zu einer geliebten Heiligen des Herrn.

Natürlich ist davon  nichts bewiesen und jeder ist frei, sich seine Maria Magdalena zu denken.

Wie es der Heilige Augustinus wohl als erster tat. Er war   von mondänem zu frommen Leben gekommen. Darum freute er sich so besonders an Maria Magdalena, die aus einer Sünderin zur Lieblingsjüngerin geworden war. In ihr sah er viele Frauenbilder zusammenströmen: die Geschichten der Maria von Magdala, die die Füße Jesu mit ihrem Haar trocknenden Sünderin und die vornehme Schwester des Lazarus. Die oströmische Kirche tat das nie, die weströmische Kirche seit Augustinus immer.
Warum verband die Kirche diese verschiedenen Dinge, die so gar nicht zusammengehören?
Ich glaube, man wollte die mit allen Wassern gewaschene Sinnlichkeit in die Kirche hineinbringen. Dieses lebendige überbordende Heidentum, dem das Taufwasser Eingang in das Gotteshaus verschaffte. Im Unterschied zu uns Evangelischen, die wir in der Taufe die Sünde am liebsten ertränken, wächst die katholische Kirche die Sünde, zieht ihr ein neues Kleid an und führt sie ins Gotteshaus. Je sündiger – umso größer das Lob Gottes.

Biblisch liest es sich ganz einfach:
Dem Burg- und Turmfräulein des Schlosses von Magdala am See Genezareth hatte Jesus sieben böse Geister ausgetrieben. Darauf ging sie aus Dankbarkeit mit ihm und, wie wir gehört haben, tat ihm Handreichung von ihrer Habe.
Unterm Kreuz und am Morgen der Auferstehung war sie auch dabei, denn der Herr mochte sie gern.
Und sie ihn auch.

Mehr nicht? – fragen sich alle Zeiten und alle Welt. Das soll es schon gewesen sein?
Ist damit das ganze Geheimnis schon ausgeschöpft?
Jesus und Maria von Magdala – da muss doch noch mehr dran und  drin gewesen sein.

Maria von Magdala war wohlhabend. Da muss es niemanden wundern, wenn die Salbung Jesu Füßen mit kostbarem Öl späteren ebenfalls als ihr Werk erschien:  
Die sieben bösen Geister klärten sich nun zu den sieben Todsünden.
Ihre Gegenwart unter dem Kreuz wies auf ein Liebesverhältnis zu dem Gekreuzigten.
Der Morgen am Grab und ihre Begegnung mit dem Auferstandenen im Garten – der Garten ist seit jeher der Ort der Liebenden – war bereits die Erscheinung ihrer Liebe. Und bedeutete nicht Jesu Aufforderung: „Rühr mich nicht an!“ nicht eben dies, dass sie es gewohnt war Jesus zu berühren?

So wurde aus der Turmbesitzerin und Lieblingsjüngerin Jesu  eine Sünderin, die sich ohne Schwierigkeit in die schlechte Gesellschaft integrieren ließ, mit der Jesus Umgang pflegte: Zöllner, Huren und Säufer.
Jesus hatte es prophezeit: Überall, wo das Evangelium gepredigt wird, wird man sich an sie erinnern.

Inzwischen  erinnert man sich an Maria Magdalena, ohne sich an das Evangelium zu erinnern. Schauen Sie sich das Bild an.
Von Jesus keine Spur. Manches ist da, was ihr die Tradition beigegeben hat: das Alabasterfläschchen mit der kostbaren Narde, hier als  Messingschale. Die tierisch langen Haare, von denen wir nur die Hälfte sehen, und die schon ist ungeheuerlich –wie kann aus einem so kleinen hübschen Kopf eine solche tropische Pracht hervor wachsen. Das sind viel mehr als zum Trocken von Füßen nötig wären. Darin kann sie die ganze Männerwelt einwickeln.
Ein wahrhaft verstörender Reichtum, aus dem ein weißes Tuch hervorquillt:  weniger Kopfttuch als Betttuch, das sie sich wie eine Königin der Nacht drapierend umgeschlungen hat. Sie ist wohl eine, die ihr Bettzeug immer dabei hat.
Ihre Augen sind verschattet, aber gegürtet ist sie wie eine, die jeder Zeit zu Neuen Ufern bereit ist.

Irgendwie scheint sie mehr zu stehen als zu sitzen. Will man es aber genau wissen, dann ist ihr Oberkörper für eine Stehende doch zu klein, aber die Haltung ist so: eine Denkerin, nicht vergrübelt wie der Denker Rodins, sondern wach, neugierig, etwas lauernd beobachtend nach rechts hin, sie schaut mit dem Licht. Das Licht ist mit ihr, was sie aber ansieht, gerät in ihren Schatten. Unter ihr das blutige Zeichen einer Gewalttat. Eine Gewalttat, von der niemand etwas weiß, die aber zu ihr gehören könnte.
Provokativ die entblößte Schulter. Während ihr Ellenborgen spitz ins Licht sticht, wirft sie einen gewaltigen Schatten an die Wand.
 
Maria Magdalena, die Sünderin, von der  wir uns erinnern: Sie diente Jesus auf den Knien.  Wusch Jesus mit ihren Tränen, trocknete seine Füße, indem sie ihr Haupt ganz zu seinen Füßen niederbeugte.
Hätte diese Maria Magdalena das Vermögen, sich niederzuknien?  
Hoch mut wäre es wohl nicht, der sie daran hindern könnte.
Eitelkeit – ganz gewiss nicht. Sie sonnt sich nicht in ihrer Schönheit, sie schaut nicht sich selber an. Sie hat aber viel von der Großzügigkeit der kostbare Salbe verschenkenden Maria Magdalena. Alle Welt schaut sie an – aber sie schaut nur nach der Welt. Die Hingabe der Sünderin – das Geheimnis bleibt.
Amen.

 

 

kanzel hell

Über teofilo.de

Theophil war der Vorname meines Vaters. Mein Vater wurde ein paar Monate vor meiner Geburt aus Russland als vermisst gemeldet. Durch meinen langen Aufenthalt in Italien hat sich der Name Theophil um ein erstes "h" und sein "ph", das zu "f" geronnen ist, verschlankt. Ich selber nicht.

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