Blog

aktuelle Kommentare

Weinachtsgruß aus vollem Lauf

Eilen mit Freuden Weihnachten 2013


Wenn die Zeit innehält, wenn das Hasten ein Ende hat,
dann ist Weihnachten da.
Oder nicht?
Ist denn schon Weihnachten, wenn eine Uhr stehen bleibt?
Dann wäre auf den Bahnsteigen ja ständig Weihnachten, wenigstens einen kleinen Augenblick lang. Sie wissen schon – immer dann, wenn der Sekundenzeiger auf die Zwölf  kommt, bleibt er einen  Moment zu lange stehen, ehe er sich wieder in Bewegung setzt. Man fragt sich, woher die Bahn die ganze Zeit nimmt?
Uns fehlt sie nachher und bringt uns ins Schwitzen.
Weiß jemand schon, nach welcher Mode zu diesem Weihnachtsfest gepredigt wird?
Ist Stress immer noch  das Thema?
Ehrlich gesagt: Ich bin für Stress. Wenigstens in der Adventszeit. Weil ich ja sonst gar keinen Unterschied spüre.
Außerdem glaube ich ganz und gar nicht, dass wir zu Weihnachten besonders langsam singen sollen – wegen der himmlischen Ruhe etwa.
Wir waren am Dritten Advent bei einem Freund in Berlin aus neapolitanischen Zeiten, um Adventslieder zu singen. Während wir unsere Kehlen wetzten, wetzten etwa 20 Kinder durch die große Wohnung und trugen wesentlich zu der großen Freude bei.
Die Geschwindigkeit schadet nicht. Die Eile schon gar nicht.
Das habe ich vor der Anbetung der Hirten von Hugo van der Goes begriffen. Es war gestern nämlich wieder der Turnus der christlichen Bildbetrachtung in der Gemäldegalerie. Eines dieser wunderbaren  Treffen zum Gespräch zwischen Kunst und Theologie. Der Dialog führte an eine herrlich ungeklärte Stelle im Gemälde, das gerade restauriert worden war.
In der Mitte des Bildes umringt die Heilige Familie das Gotteskind. Von der linken Seite  kommen vom Felde und mit großem Schwung die Hirten herbei. Sie stürzen über eine schiefe, hellfarbige Ebene in den Vordergrund. Nur knapp, ganz knapp kommen sie vor Maria zum Stehen. Eine leuchtende Linie verläuft diagonal über das Bild, einem Absprungbalken ähnlich, der nicht übertreten werden darf.  Nach der letzten Ausführung des Malers tritt der Hirte  über. Er kommt nicht rechtzeitig zum Stehen.

Die Anbetung der Hirten http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hugo_van_der_Goes_002.jpg


Der Theologe erinnerte an den Ausdruck, mit dem das Lukasevangelium den Lauf der  Hirten  beschreibt: „ und sie kamen eilend“. Und dann erst sahen wir sie, wie sie in die Hütte hineinstolpern. In übergroßer Hast, stressbegeistert.
Die Eile ist erst dann ein Problem,  wenn sie uns keine Freude macht.
Wenn uns die Eile keine Freude macht, dann macht uns auch die Ruhe keine Freude.
Dann ist es doch nur ein freudloses Fest. Damit müssen wir uns aber nicht abfinden. „Ich hatte  mir so vorgenommen, mich zu freuen!“ (Clemens v. Brentano, Godwi) – das geht gar nicht!
Wenn man keine Freude hat,  kann  man sie sich nur schenken lassen
Hugo van der Goes deutet das auf seine Weise an: Das Bild ist ein sehr breites Bild. (Im Verhältnis 5 : 2) So dass rechts und links noch viel Platz für je einen Propheten ist. Jeder von ihnen hat eine Vorhangseite in der Hand. Ihre Weissagungen und Ermahnungen haben den  Vorhang  gerade beiseite gezogen. Damit wir sehen können.  Dadurch und nur dadurch sehen wir die Geburt Gottes. Hätten die Propheten uns nicht den Schleier vor den Augen fortgezogen, wir sähen gar nichts. Höchstens ein paar arme Migranten und gestresste Hirten.

Nun aber sehen wir auch noch den Maler als den dritten Propheten, der uns die Weisen und Weihnachten zusammen zeigt unter dem Fülle verheißenden Wort „eilen mit Freude“.
Ich wünsche Ihnen und Euch ein gesegnetes Fest.

Euer Hartmut Diekmann

Neues im Blog

Ein ökumenischer Gottesdienst am Pfingst…

06.06.2022 Hits:1416 Blog & Veröffentlichungen Hartmut Diekmann

Der Gottesdienst hat eine lange Tradition. Die gesammelte Kraft der Chöre ist schon wie das Brausen des Windes im Raum der Gemeinden. Erhebend und Erhaben. Mit ihrer Hilfe schwillt auch...

weiter...

Das gekreuzigte Kreuz

18.04.2022 Hits:2389 Blog & Veröffentlichungen Hartmut Diekmann

Orgel Begrüßung Das gekreuzigte Kreuz.So etwas gibt es. Hier  liegt eins.Ecce lignum crucis - venite adoremusSiehe das Holz des Kreuzes - kommt lasset uns anbetenDer Künstler Felix Droese hat dieses gemacht. Als dreigeteiltes Kreuz. Als...

weiter...

Traueransprache für Fred Riedel

03.03.2022 Hits:3316 Blog & Veröffentlichungen Hartmut Diekmann

Trauerfeier für Fred Riedel Französischer Friedhof Freitag, 28. 01. 2022 13 Uhr   Urnenempfang vor der Kapelle des Domfriedhofs   Liebe Vertraute Fred Riedels, Bekannte, Freunde Trauernde, Überraschte, dass Fred wirklich nicht mehr dabei ist. Wir sind zusammengekommen...

weiter...

Wo warst Du, lieber Vater? In Erinnerun…

13.02.2022 Hits:3578 Blog & Veröffentlichungen Hartmut Diekmann

Es sind jetzt etwa 15 Jahre vergangen, dass Hans Eckehardt Bahr in der Jeremia-Gemeinde hier in Spandau  seinen Vortrag "Wo wrarst Du, lieber Vater?" hielt. Das war sein mutiger Versuch...

weiter...

Abschied von Fred Riedel

31.01.2022 Hits:3997 Blog & Veröffentlichungen Hartmut Diekmann

Kleiner Wochenrückblick Am 22. Dezember 2021 ist Fred Riedel, der Stadtbekannte, con la maiuscola, verstorben. Am Freitag haben wir ihn sechs schmale Urnengräber von Fontanes Grab entfernt auf dem französischen Friedhof...

weiter...

Gott setzt auch nicht mehr alles auf ein…

12.12.2021 Hits:4712 Blog & Veröffentlichungen Hartmut Diekmann

Predigt 1. Korinther 4, 1-5 vom 3. Advent 2021 in der Zufluchtkirche, Berlin-SpandauPredigttextDafür halte uns jedermann: Für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse Gnade sei mit Euch und Friede, von...

weiter...

Die Verschwundene Stadt, 3. Teil 1933-19…

21.11.2021 Hits:4698 Blog & Veröffentlichungen Hartmut Diekmann

Ewigkeitssonntag, Totensonntag, 21.11.2021Kirche Sankt MatthäusDie verschwundene StadtPredigt über Jesaja 65, 17-25 Liebe Gemeinde,Am Donnerstag hatte ich noch Pfarrer Langbein gefragt, ob denn die Führung von Fred Riedel pünktlich beendet sein würde...

weiter...

Die Verschwundene Stadt, 3. Teil 1933-19…

11.11.2021 Hits:4585 Blog & Veröffentlichungen Hartmut Diekmann

Sankt Matthäus im Kulturforum Berlin beschließt die dreiteilige Suche  nach ihrem früheren Umfeld am  Wochenende, 20.-21.11.2021. Die Erinnerungen richten sich auf die Zeit von 1933 bis 1950. In diesen Jahren verschwand ...

weiter...

Das Lied des Hiskias oder Leben heißt sc…

10.10.2021 Hits:5051 Blog & Veröffentlichungen Hartmut Diekmann

Predigt über Jesaja 38, 9-20 1o. Oktober 2021, Zufluchtkirche   Dies ist das Lied Hiskias, des Königs von Juda, als er krank gewesen und von seiner Krankheit gesund geworden war: 10 Ich sprach: In...

weiter...

Über teofilo.de

Theophil war der Vorname meines Vaters. Mein Vater wurde ein paar Monate vor meiner Geburt aus Russland als vermisst gemeldet. Durch meinen langen Aufenthalt in Italien hat sich der Name Theophil um ein erstes "h" und sein "ph", das zu "f" geronnen ist, verschlankt. Ich selber nicht.

weiterlesen...